Analyse eines Stellenangebotes

Hast Du ein ansprechendes Stellenangebot gefunden? Dann steht die Analyse an. Es geht um Fragen wie:

  • Inwiefern passt der Arbeitgeber zu Dir?
  • Inwieweit bist Du fachlich geeignet?
  • Inwieweit bist Du persönlich geeignet?
  • Inwieweit passen die Rahmenbedingungen für Dich?
  • Was spricht Dich besonders an?

Der Arbeitgeber

Üblicherweise stellt sich das Unternehmen zu Beginn einer Stellenanzeige vor. Damit erhältst Du einen ersten Eindruck. Beim weiteren Lesen des Stellenangebotes erfährst Du noch mehr über das Unternehmen – auch zwischen den Zeilen. Achte auf Anrede, Formulierungen, Sprache, Schriftart, Umfang, Struktur, Reihenfolge, Aussagekraft, Nachvollziehbarkeit, Bilder, Farben und andere Details.

Was spricht Dich an? Was macht Dich vielleicht skeptisch oder wirft Fragen auf? Notiere Dir Deine ersten Eindrücke und Fragen, um diese zum Beispiel in einem Vorab-Telefonat zu klären. Versuche ein Gefühl dafür zu bekommen, ob dies Dein neuer Arbeitgeber sein soll.

Das Aufgabenprofil

Dann schaust Du Dir das Aufgabenprofil der Stelle an. Ist Dir klar, was Du tun sollst? Welche Erwartungen werden an Dich in dieser Position gestellt? Für was oder wen übernimmst Du Verantwortung? Welche Anteile haben die jeweiligen Aufgaben? Neben diesen Fragen, die Du an Deinem potenziellen Arbeitgeber in einem Vorab-Telefonat stellen kannst, solltest Du Dich beim Aufgabenprofil auch selbst etwas fragen: Welche Erfahrungswerte bringst Du für die Aufgaben mit? Welche Aufgaben traust Du Dir zu und weshalb?

Wenn Dir nicht ausreichend klar ist, was Deine Aufgaben und Verantwortung sein sollen, dann kläre es vor Deiner Bewerbung. Nur so kannst Du Dich wirklich überzeugend bewerben und weißt, worauf Du Dich einlässt. Falls Du nicht für alle Aufgaben die entsprechenden Fähigkeiten oder das benötigte Wissen mitbringst, kannst Du Dir das Fehlende vielleicht aneignen? Inwiefern Du fachlich für eine Position geeignet bist, hängt auch davon ab, welchen Stellenanteil eine Aufgabe an der Gesamtposition einnimmt und auch, wie gründlich Deine Einarbeitung erfolgt.

Das Bewerberprofil

Viele Stellenausschreibungen lesen sich wie ein Wunschzettel ans Christkind. Natürlich suchen Arbeitgeber die bestmögliche Besetzung. Doch leider schrecken durch die häufig sehr umfangreich geäußerten Erwartungen der Unternehmen zu viele potenziell gut geeignete Kandidaten vor einer Bewerbung zurück (insbesondere Frauen). Halte Dich in solch einem Fall nicht gleich für unpassend, sondern kläre in einem Vorab-Telefonat, inwieweit Du mit Deinem Können und Deiner Motivation für diese Position in Frage kommst.

Qualifikation

Beim Bewerber-Profil wird meist die gewünschte Qualifikation als Erstes genannt: Ausbildung, Studium, Weiterbildung etc. Immer häufiger wird auch Quereinsteigern eine Chance gegeben durch die Formulierung „…oder vergleichbare Qualifikation“. Während in manchen Positionen eine bestimmte Qualifikation unabdingbar ist, gibt es mittlerweile viele Bereiche, die den Raum für Deine individuelle Argumentation öffnen, weshalb Du Dich für geeignet hältst. Schließlich gibt es jedes Jahr neue Studiengänge, die viele Arbeitgeber gar nicht kennen oder mit denen die Absolventen auch nicht genau wissen, was sie damit tun sollen.

Berufserfahrung

Manches Aufgabenprofil erfordert eine langjährige oder einschlägige (spezielle) Erfahrung in bestimmten Bereichen. Ist nichts Genaueres genannt oder sind Erfahrungswerte nur wünschenswert, steht die Tür offen für Berufseinsteiger. Und immer häufiger können sich auch Quereinsteiger mit vergleichbaren Erfahrungswerten erfolgreich bewerben. Hier lohnt es sich, genauer nachzufragen, inwiefern die eigenen Erfahrungen zu den Vorstellungen des Arbeitgebers passen.

Sprachkenntnisse

Auch manch sprachliches Können wird bei den Anforderungen genannt. Leider fehlen hier oft wichtige Informationen: Wann und in welchem Umfang soll die Sprache eingesetzt werden? Geht es beispielsweise um die Verwendung der Sprache in der Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen oder im Kundenkontakt? Geht es um das Verfassen von Berichten oder das Führen von Verhandlungen? Ist schriftliches bzw. mündliches Können gefragt? So kann es durchaus sein, dass die geforderten Sprachkenntnisse eine eher untergeordnete Rolle bei der Eignung des Bewerbers spielen.

IT-/EDV-Kenntnisse

Gewünschte Programmkenntnisse oder Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Instrumenten werden ebenfalls bei den Anforderungen genannt. Und wiederum ist es hilfreich, sich zu überlegen (oder vorab zu erfragen), welchen Stellenwert diese Kenntnisse für den Arbeitgeber haben. Fehlende Fertigkeiten kannst Du Dir vielleicht schnell aneignen – Deine Motivation vorausgesetzt. Manch Arbeitgeber bietet hierfür Inhouse-Schulungen oder übernimmt die Kosten für notwendige Weiterbildungen.

Persönliche Stärken

Fast beiläufig, häufig mittendrin und nicht selten zum Schluss werden Erwartungen an die Persönlichkeit geeigneter Bewerber geäußert. Dabei ist gerade hier „Musik drin“. Während Fachliches erlernt werden kann, ist die Persönlichkeit oder der Charakter eines Menschen nicht so veränderbar. Vielmehr wird in die Arbeit mitgebracht, was den Bewerber persönlich ausmacht, bewusst oder unbewusst.

Bei den gewünschten persönlichen Eigenschaften gilt es zunächst wieder zu hinterfragen, welche im Zusammenhang mit den Aufgaben einen nachvollziehbaren Sinn ergeben. Welche sind grundlegend wichtig oder besonders zielführend? Welche Eigenschaften erscheinen dagegen nachrangig oder sogar beliebig? Und welche Eigenschaften sind vielleicht sogar noch wichtiger, aber gar nicht in der Stellenanzeige genannt? Überlege Dir, auf welche persönlichen Stärken es wirklich ankommt, um diese Position erfolgreich auszufüllen. Und welche dazu passenden Eigenschaften bringst Du mit?

Häufig werden Eigenschaften gefordert, die einer Erläuterung bedürfen. Was ist z. B. mit Kommunikationsstärke gemeint? Wenn Kommunikation in der Stelle eine wichtige Rolle spielt, überlege Dir: Was soll mit welcher Art der Kommunikation erreicht werden? Geht es um das Verfassen von gut strukturierten Berichten, die Moderation von Teamtreffen, die Konfliktbewältigung oder das Überzeugen in Verhandlungen? Je nachdem hast Du vielleicht eine Stärke zu bieten.

Wohl am häufigsten genannt werden Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität. Wiederum gilt es zu überlegen, welche konkrete Rolle diese Eigenschaften in der ausgeschriebenen Stelle jeweils spielen könnten. Grundsätzlich werden diese Fähigkeiten bei Bewerbern erwartet. Es macht daher nur dann Sinn, konkreter in Deinem Bewerbungsanschreiben auf diese einzugehen, wenn sie wirklich wichtig sind im Zusammenhang mit der Tätigkeit. Deine zur gewünschten Position passenden persönlichen Stärken beschreibst Du am besten in Deinem Bewerbungsanschreiben mit der Methode des Storytellings.

Vorteile

Meist erst zum Schluss werden Dir die Vorteile Deines Engagements in dem Unternehmen aufgezählt – die so genannten Benefits. Es können durchaus attraktive Dinge dabei sein. Lass Dich durch sie jedoch nicht blenden. Deine Motivation für die Bewerbung sollte sich nicht allein aus diesen Punkten ableiten. Die Benefits sind oft Teil des Employer Brandings bzw. Personalmarketings. Also aufgepasst, es geht um die möglichst attraktive Darstellung des Arbeitgebers oder Jobs. Kaffee oder Äpfel kostenlos bereitzustellen machen noch keine förderliche Unternehmenskultur aus. Gleichwohl empfehle ich, Arbeitgeber beim Wort zu nehmen. Halten sie wirklich, was sie versprechen? Vielleicht fragst Du bei Gelegenheit nach, wie z. B. das Unternehmen Familie und Beruf konkret vereinbar macht oder sich eine gesunde Work-Life-Balance gestalten lässt?

Weitere Infos

Bewerbungsweg

Hier ist besonders wichtig, welcher Bewerbungsweg bevorzugt wird (meist online). Die Bewerbung über eigene Karriere-Plattformen der Unternehmen solltest Du vorziehen. Sie machen Dir als Bewerber wahrscheinlich mehr Aufwand – dem Arbeitgeber dagegen am wenigsten. In manchen Fällen jedoch kann eine analoge Papier-Bewerbung mit direkter persönlicher Vorstellung am Ort des Geschehens durchaus schneller zum Ziel führen. Dazu muss jedoch gewährleistet sein, dass Du überhaupt zum Chef vorkommst und Deine „klassische“ Bewerbung nicht geradewegs abgelehnt wird.

Gehaltsvorstellung

Wird Deine Gehaltsvorstellung gefragt, solltest Du in Deiner Bewerbung unbedingt mit Zahlen darauf eingehen.

Abgabefrist

Natürlich ist eine Frist für die späteste Bewerbung zu beachten. Und wenn Du Dich auf den letzten Drücker bewirbst, wirkt das vielleicht nicht gerade positiv. Sollte die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen sein, lohnt sich eine Bewerbung so manches Mal auch danach, denn nicht immer hat der Arbeitgeber innerhalb der Frist einen geeigneten Mitarbeiter gefunden. Mit einem gezielten Anruf erfährst Du, ob Deine Bewerbung doch noch willkommen ist.

Kontakt

Mittlerweile wird häufig eine Kontaktperson für Fragen von Bewerbern genannt. Dies ist eine gute Gelegenheit, Deine offenen Fragen in einem Vorab-Telefonat zu klären, damit Du in Deinem Bewerbungsanschreiben noch besser auf das Unternehmen und die Stelle eingehen kannst. Dieses Vorab-Gespräch kann bereits Elemente eines Bewerbungsgespräches beinhalten.

Deine Auswertung

Gesamteindruck

Wie ist Dein Gesamteindruck vom Unternehmen, vom seinem Angebot, von der Position? Hast Du ein gutes Gefühl? Falls nicht, empfehle ich Dir, vor einer Bewerbung noch mehr Informationen für eine gute Entscheidung einzuholen. Hast Du ein gutes Bauchgefühl, überprüfe es anhand von bestimmten Kriterien für Deine Jobwahl.

Deine Eignung

Welche Erwartungen oder Wunschvorstellungen des Arbeitgebers erfüllst Du schon jetzt? Was müsstest Du Dir noch aneignen? In welchen Bereichen kannst und möchtest Du Dich noch entwickeln? Was sind Deine Hauptargumente, dass Du die passende Stellenbesetzung bist? Du musst Deine Eignung nicht allein durch Deine Qualifikation und Berufserfahrung nachweisen. Besonders bei Quereinsteigern kann eine passende Motivation Fehlendes ausgleichen. Diese solltest Du ohnehin neben Deinen persönlichen Stärken im Bewerbungsanschreiben erläutern.

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Christian B. Rahe

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